Über Jugendprobleme muss man Sprechen, aber eben nicht mit einer Erwachsenen Person, sondern mit Gleichaltrigen. Das findet Leslie und gründet BIG SISTER eine Organisation zur Jugendhilfe. BIG SISTER ist auch der Titel von neusten Stück des Jungen Theater Basels.
BIG SISTER Junges Theater Basel
© Junges Theater Basel

Die Organisation BIG SISTER

Die Organisation hat Leslie gegründet, weil wenn es niemand macht, dann eben sie. Nötig ist das, weil sich die Jungen nicht getrauen zu sagen, dass es ihnen schlecht geht. Dabei würden Jugendliche am Leistungsdruck versticken und eine Erschöpfungsdepression durchmachen, anstatt ihr erstes Mal zu erleben. Sie fühlten sich traurig, leer und allein. Ihr Begleiter Mati, sieht das ganz anders. Stört ihre Präsentation und hängt den starken Mann heraus. Ihm geht es gut, obwohl er vom Schulpsychologen Antidepressiva verschrieben bekommen hat. Ihm wurde eine emotionale Störung mit Phasen von MAJOR DEPRESSION diagnostiziert, was er prominent auf die Wandtafel schreibt. Glaubwürdig verhandeln er und Leslie das Thema psychische Gesundheit während 45 Minuten. Dabei erzählen sie von ihren alleinerziehenden Müttern, alkoholsüchtigen Vätern und von Vorurteilen, die sie gegenüber psychischer Gesundheit erleben. Wegen Leslies Vater lautet Regel Nummer 17 von BIG SISTER «kein Alkohol». Das Stück springt oberflächlich von Thema zu Thema, schneidet vieles an, aber geht nie wirklich in die Tiefe.
2_BIG-SISTER_Junges Theater Basel
© Junges Theater Basel

Psychische Gesundheit spielend verhandeln

Leslie und Mati streiten sich wie Geschwister darüber, warum Mati doch Alkohol getrunken hat. Er sagt, weil er seinen Einbürgerungstest versaut hat. Leslie hat auch Prüfungsangst, deshalb schafft sie die Prüfungen an die FMS nicht. Bis Mati für sie die Prüfung fertig schreibt, was in Covid-19 Zeiten geht. Leslie lenkt sich damit ab anderen zu helfen, statt zu lernen. Wenn die beiden Szenen spielen, die woanders als im Klassenzimmer stattfinden unterlegen sie diese mit Musik. Wir sehen, wie Leslie Mati auffällig unauffällig Hilfe anbieten will und wie er diese ablehnt. Oder wir sehen wie Mati beim Psychologen ist, wo er auf alle Fragen ganz cool: «Ich weiss nöd» antwortet. Irgendwann, nach etwa 30 Minuten Diskussion, gibt Leslie Mati sein Handy zurück. Er stört sich daran, dass sie ihm sein Handy weggenommen hat. Sie begründet, dass er eine SMS ihres Vaters darauf hat. Wir erfahren, dass Mati und Leslie viel mehr als Freunde sind. Das Theaterstück BIG SISTER verhandelt ein grundlegend wichtiges Thema unserer Gesellschaft und sollte von so vielen Menschen wie möglich gesehen werden. Psychische Gesundheit ist noch immer ein Tabuthema, das zugänglicher gemacht werden muss. Glücklicherweise bespricht das Theaterstück dieses Thema auf kritische, aber gute Weise und überzeugt auf allen Ebenen.

Weiterlesen…

Isabel Sulger Büel

Sari Pamer

Andra Möckli
Kommentare unterstützt von Disqus.