Das ist hier die Frage – in einem Labyrinth an Fragen. Passend zum Thema durchlaufen die Zu-schauer:innen zunächst ihr eigenes Labyrinth in Form einer Wendeltreppe hinab in die kleine Kammer des Schauspielhauses. Als wir unten angekommen sind erwarten uns Objekte, die mit weissen Tüchern abgedeckt auf der Bühne stehen und noch eine weitere Überraschung entsteht: Eine der Schauspielerinnen kann kurzfristig nicht mehr mitspielen und eine andere Per-son springt für sie ein. Es wird also etwas anders. Ich bin gespannt. Denn neben den unerwarteten Ereignissen sind nicht nur alle Plätze besetzt, sondern es sitzen sogar Menschen am Boden vor den Stühlen. Im Stück «Wohin oder Geradeaus?» verhandeln die Jugendlichen, das Leben als Labyrinth. Sie versuchen den Ausgang beziehungsweise den richtigen Weg zu finden. Leider gibt es aber auch falsche Wege oder Sackgassen.
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Emma Lou Herrmann

Was, wenn man zu schnell am Ziel ist?

Genau diesen Gedanken nehmen die acht Schauspieler:innen (Minus 1, die später nochmal auftauchen soll) des Clubs 2 vom jungen Schauspielhaus zum Anlass, um wieder umzukehren, statt ihren Sieg zu feiern. Denn gleich zu Beginn des Stücks habe sie den Ausgang gefunden, misstrauen dem aber, weil es zu einfach war. Dabei hängt über ihnen ein schwerer Stein, der sie weder beeindruckt, noch können sie ihn einordnen. Sie fragen sich enttäuscht, ob das denn schon alles gewesen sei? Um das «Gruppenfeeling» miteinander zu erleben, wollen sie sich auf dem erneuten Weg nicht trennen. Wohl ebenfalls aus Angst, denn eine Person erzählt von der Sage des Minotaurus. Es geht besonders um Strafen im Labyrinth und dass Opfer, das gebracht werden musste. In der Geschichte war es auch die mystische Zahl 7. Diese böse Vorahnung lässt, die mit einem Schlag nicht mehr so abenteuerlichen nach dem Ausgang suchen.
Plötzlich ist die «Experience» doch nicht mehr der Weg, denn sie haben es auf einmal ziemlich eilig. Nach und nach verlieren sie sich und machen Bekanntschaft mit «ihren» Monstern. Die Monster sind nicht wie anfänglich gedacht böse oder gefährlich, aber auch nicht besonders hilfreich. Ständig fragen die Betroffenen nach dem richtigen Weg und klettern über Leitern und durchqueren Bühnen zurück auf die Bühne. Die Objekte auf der Bühne sind im steten Wandel wie die getriebenen Figuren. Unterwegs treffen sie sich und philosophieren über das Falsche Abbiegen und wo man wohl wäre, wenn man nicht xy getan hätte oder eben nicht. Zentral ist die Frage: Was braucht man, um ein Leben zu ändern? Welche Rolle spielen die äusseren Einflüsse und gibt es überhaupt so etwas wie einen richtigen Weg? Die Meinungen gehen weiterhin stark auseinander; es ändert sich alles oder nichts.

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Emma Lou Herrmann

Ich mache mir die Welt – wie sie mir gefällt

Auf einmal beschliesst jemand, das Mikrofon zu packen und eine Regel auszusprechen. Zum Bei-spiel ein Lied summen, dass ihm in den Sinn kommt und die anderen machen mit. Oder Schere, Stein, Papier spielen, sich freundlich grüssen, die Liste geht beinahe endlos weiter. Auch die Politik und die aktuellen Abstimmungen werden nicht aussen vor gelassen mit dem Abstimmen ab 16 Jahren. Abwechselnd ertönen Rufe wie «JA» und «Nein» durch den Raum. Auch das Publikum wird teilweise miteinbezogen und erhält Komplimente für schöne Augen, etc. Wie Pippi Langstrumpf hüpfen die Figuren vergnügt durchs Labyrinth und vergessen so für eine Weile ihre Sorgen. Irgendwann kommt die Frage nach einer Pause auf und auch da schneiden sich die Geister. Einige halten sie nicht immer für verdient.
Besonders humorvoll in Erinnerung geblieben ist ein Duett zwischen einem Mann und einer Frau. Die Frau singt sehr schön und der Mann: singt. Sie singen bzw. trällern um die Wette und wollen beide nicht nachgeben. Dies sorgt für einige Lacher im Saal. Allerdings holen sie nach der Unbeschwertheit ihre Sorgen irgendwann wieder ein. Es wird diskutiert, ob jede:r allein weitersoll oder in der Gruppe – wieder der «Experience» wegen. Am Schluss gewinnt oder verliert das Individuum, da jeder auf sich selbst gestellt ist – inmitten von Spiegeln und den eigenen inneren Monstern. Da man sich eben doch nicht so gut kennt, wie eben selbstverständlich angenommen. Bemerkung am Rande: Kompliment, hätte man nicht gewusst, dass eine Person für eine andere eingesprungen ist, hätte man dies auch nicht bemerkt.

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