Vorurteile, Versprechen und Freundschaft: Im neuen Stück Froschkönig des Jungen Konzert Theater Bern taucht das Publikum ab in die Tiefen des Brunnens.
© Konzert Theater Bern

Was darf auf keine Fall fehlen bei einer Froschkönig-Inszenierung? Genau, der Brunnen! Dieser bildet das Zentrum des Bühnenbildes (von Christos Samaras) am Konzert Theater Bern unter der Regie von Max Schaffenberger. Der Brunnen fasziniert das Mädchen (Taissia Mühlethaler), als auch das Publikum enorm - was wird da wohl drin sein?
Der Königstocher ist langweilig. Ausserdem ist sie genervt, dass ihre Mutter und ihre Schwester einen Ausflug ohne sie unternommen haben. Dazu kommt ihr nörgelnden Vater (Silvan Müller), der jeden Tag Spaghetti kocht und kontrolliert, dass seine Tochter ihre Ämtli erledigt. Als sie raus geht, um sich zu entspannen, gelangt sie zum Brunnen und wirft einen Kieselstein hinein, um zu sehen wie tief dieser tatsächlich ist. So kommt die Geschichte ins Rollen, denn nicht nur der Kieselstein, sondern auch die Trompete des Vaters sind in den Brunnen gefallen. Der Frosch (Max Strässle) will diese nur zurückgeben, wenn er ein Abendessen, ein Schlafplatz und dazu noch einen Ausflug in den Europark bekommt. Geht das Mädchen auf diesen Deal ein?

Szenenvorschau

Beim Umbau des Bühnenbildes von Brunnen zu Wohnzimmer ist durch einen gerahmten Bildschirm an der Wand die Szenenvorschau zu sehen (Illustrationen von Michael Flückiger). Es lässt sich erahnen was gleich passieren wird. Besonders gelungen ist die Verwandlung des Frosches zu einem Menschen, indem sich der Frosch vor die Projektion setzt und die Silhouette seines Schattens gezeichnet wird. Im Verlauf der Szenen wird aus den Umrissen ein ganzes Bild, welches den Frosch zeigt. Gleichzeitig zur Verwandlung auf der Bühne wird das Bild des Frosches angepasst, dass dieser zum Schluss aussieht wie ein Mensch mit Bart und Haaren.

Überraschung

Das Stück ist voller Überraschungen und Lachmomenten - zuerst aber muss sich der Frosch beweisen, denn die Königstochter zeigt wenig Begeisterung bei seinem Besuch zum Abendessen. Dennoch muss sie ihr Versprechen halten und genau dadurch lernt sie ihre Vorurteile gegenüber anderen abzubauen. Die grosse Verblüffung geschieht, als der Frosch sich am Schminkkoffer des Mädchens bedient und sich im Spiegel betrachten will. Plötzlich fallen seine grossen Flossenfüsse ab, das Grün verschwindet aus seinem Gesicht und Schwimmhäute zwischen den Fingern sind auch keine mehr zu sehen (die Kostüme sind von Jasmine Lüthold). Als Mensch kann er ausgezeichnet Jojo spielen und zeigt dem Mädchen den Brunnen-Trick. Die Langeweile? Völlig verflogen, der ehemalige Frosch wird zum Freund der Königstochter und es fehlt nichts mehr zum Happy-End. Dies aber noch nicht genug: Der Frosch ist auch ein Könner im Trompetenspielen und zeigt dem Vater, wie richtiges Spielen geht.
Es zeigt sich einmal mehr: Lieber nicht vorschnell urteilen, sondern dem Gegenüber und sich selbst Zeit geben, sich kennenzulernen - so entstehen wahre Freundschaften.

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