Im Stück Blauer Flamingo wird die Nacht zum Tag. Die Aufführungszeit vergeht, wie im Flug, obwohl das Publikum eine ganze Disco Ära durchlebt. Von den Partygägner:innen bis zu den Personen mit Hausverbot und von Liebe bis Drogenkonsum wird alles was das Nachtleben zu bieten hat besprochen. In nur einer Stunde erörtert die Junge Bühne Bern die positiven und negativen Seiten der Disco.
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© Basil-Blank

Aussen vom Club

Wie bei jeder guten Disco gibt es eine Eingangskontrolle. Diese sitzt neben der Tür und wechselt sich in Schichten ab. Jede Person, die den Eingang kontrolliert hat ihre amüsante Eigenheit, sie liest, spielt Rubixcube oder isst eine Karotte. Allerdings bewachen sie vor allem den Eingang zur coolsten Disco von Bern. Und nicht jeder wird hineingelassen. Die amüsanteste Szene betrifft zwei Jugendliche, die einmal dummerweise Bier über die Jukebox geleert haben. Diese ist dabei zerstört worden, nun haben sie Hausverbot. Alle ihre Versuche doch in den Club zu kommen, scheitern vorerst. Weder gutes Zureden noch die Bestechung mit einer Zigarette oder das Verstecken hinter dem Regenschirm nützen.
Während die zwei händeringend in den Club wollen, wird drinnen getanzt, getrunken und gefeiert. Getanzt wird sowohl auf der Bar als auch auf der Tanzfläche. Getrunken wird an der Bar, nämlich alle Variationen von blauen Flamingos – gespritzte, eiskalte oder laue. Geschickt wiederholen sich teilweise Sequenzen und zeigen dadurch den Trott von Clubnächten auf. Wieder will eine Person in den Club, die Eingangskontrolle weisst sie ab. Sie wird erst in zwei Stunden volljährig. Zweistunden später, kommt diese Person eine Minute zu früh und wird deshalb erneut abgewiesen. Als 60 weitere Sekunden vorbei sind, darf sie rein. Leider macht der Club aber um Mitternacht zu.

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© Basil-Blank

Im inneren des Clubs

Während die Glücklichen, die es hineingeschafft haben, ausgelassen feiern, merken sie auch, dass nicht alles am Clubleben grossartig ist. Immer mal wieder kommt es zu Auseinandersetzungen, die durch Homophobie oder Missverständnisse ausgelöst werden. Manche Partygänger:innen nehmen Drogen und sehen plötzlich blaue Flamingos. Eine eindrückliche Szene. Andere wollen früher nachhause und müssen allein gehen, weil ihre Freunde noch bleiben wollen. Als Frau kann das manchmal gefährlich werden. Sobald diese Figur den Club verlässt, wird sie bedrängt. Glücklicherweise kommt der coolste Bus (bestehend aus drei Personen) ab der Haltestelle blauer Flamingo noch rechtzeitig. Sie kann entkommen und der Bus bewegt sich cool schwankend über die Strasse. Beim Aussteigen gibt diese Figur aber zu bedenken, dass sie selbst mit Selbstverteidigungskurs manchmal nachts verständlicherweise noch Angst hat.
Zwischen Tanzsequenzen und Szenen, verhandeln die Jugendlichen mit Hilfe von Monologen Themen, die sie beschäftigen. Ihre Blickwinkel kommen zum Tragen, wenn Szenen diese Themen im Vor- oder Nachgang aufgreifen und darstellen. Eines ist klar, die jugendlichen Schauspieler:innen sind mit ihren Beschreibungen und Gedanken ihrer Gesellschaft gegenüber kritisch eingestellt. Als erneut eine Partynacht zu Ende geht, wird die Tanzfläche zu «I want to break free» geputzt. Ein letztes Mal kommen alle Darsteller:innen auf die Bühne, tanzen und schieben die weisse Bar mit dem blauen Flamingo zusammen. Sie klettern auf die Bar und schliessen mit einem feierlichen Schlussbild. In diesem bunten Potpourri gilt ein Gesetz: «Wenn [das echte Leben] so richtig scheisse ist, ist wenigstens noch die Musik da.»

Vorgestellte Produktion:
Blauer Flamingo
Junge Bühne Bern

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Isabel Sulger Büel

Isabel Sulger Büel

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