Wie Statuen stehen Catol Teixeira und Pierre Piton auf der linken vorderen Ecke des weissen Tanzbodens. Sie widerstehen dem eintretenden Publikum und bleiben trotz der vorbeigehenden Personen ganz bei sich. Schon beim Betreten des Aufführungsraumes kann sich das Publikum auf das Stück vorbereiten, denn ihre körperliche Präsenz ist schon zu diesem Zeitpunkt eindeutig spürbar. Dabei ist die Art und Weise, wie beide ihre körperliche Starrheit aushalten und erhalten bewundernswert. Nur schon für diesen Anfang lohnt es sich Farwell Body von La PP schauen zu gehen. Sie haben es verdienterweise in die Final Selection der Swiss Dance Days 2022 geschafft.
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© Gregory_Batardon

Rhythmus in Perfektion

Das Stück beginnt mit einem einzigen Trommelschlag und dem Blickwechsel von La PP zum Publikum. Ihre Präsenz haut mich aus der Stuhllehne, kerzengerade Sitze ich nun da. Ich muss dieses Stück in vollem Bewusstsein sehen. Pause, dann legt ein erster Rhythmus den Grundstein für die Musik. Es werden mehr, einen erkenne ich als Hi-Hat von einem Schlagzeug. Sie schichten sich einer nach dem anderen übereinander und laden den Raum allmählich energetisch auf. Im Moment in dem La PP zu tanzen beginnt, vibriert der Raum. Die Person neben mir wippt im Takt der Musik. Synchron und zugleich individuell, setzen sich die Tanzschritte und die Gesten zusammen. Man sieht und spürt wie die Choreografien aufeinander abgestimmt wurden und doch zwischen den Tanzenden unterschiedlich sind. Die Perfektion der einzelnen Bewegungen ist bewundernswert. Der energetische Bogen ist so kleingliedrig und präzise aufgebaut, wie es selten vorkommt. Er steigert sich von Moment zu Moment immer ein bisschen mehr. Dabei ziehen die Choreografien die Zuschauer:innen in ihren Bann. Dieses Stück ist atemberaubend.
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© Gregory_Batardon

Bewegung und Stillstand

Die Bewegungen erinnern teilweise an die Steifheit von Robotern, worauf möglicherweise der Titel des Stücks zurückzuführen ist. Diese Bewegungen stehen im krassen Gegensatz zur kreativ-körperlichen Umsetzung der Choreografie. La PP tanzt von Luftsprüngen über Bodenarbeit auch alle weiteren Ebenen dazwischen ab. Beispielsweise wenn sie auf den Knien Kreise um den:die Tanzpartner:in drehen. Das Timing und die Abstimmung zwischen ihnen ist in einer Leichtigkeit umgesetzt, dass sie als Selbstverständlichkeit angesehen werden könnte. Dabei ist eine solche Genauigkeit selten anzutreffen. Nach dem ersten fulminanten Tanzbogen wechselt die Stimmung in eine ruhigere Phase. Bei einer dieser ruhigeren Phasen wird auch ohne Musik getanzt, was ungewohnt, aber spannend ist. Dann hebt sich das Tempo in einer dritten Phase mit Musik an, um in einer vierten zum erneuten Freeze mit Musik und einer langsamen Verdunkelung zu Enden. Dann wechseln sich nochmals zwei Phasen ab, bevor das Stück in einem Sprung an den Ort der Ausgangsposition endet.
Der Besuch dieser Aufführung lohnt sich! Geniessen sie hervorragendes Handwerk, ein Fest der Präzision und lassen sie sich verzaubern. Worte können niemals erfassen, was Farwell Body von La PP zu bieten hat. Sie müssen es selbst erfahren.

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Isabel Sulger Büel

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Julius E. O. Fintelmann
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