Das Unitheater Basel überrascht mit ihrem Stück Die Abweichungen, das von einer Putzfrau handelt, die Suizid begeht und dadurch ihre ehemaligen Klient:innen allmählich in den Wahnsinn treibt. Denn sie hat deren Wohnungen in Miniaturen nachgebaut. Das Stück handelt von den Reaktionen ihrer Klient:innen auf die Ausstellungsstücke und den Suizid.
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© Felix A. Erb

Herr Keindel

Sechs, mit weissen Leintüchern bedeckte Säulen und ein Schrank hinten an der Wand stellen das Bühnenbild dar. Wir befinden uns in der Galerie Art.Gerecht und sehen die Exponate von Frau Jessen, die als Putzfrau arbeitete. Dabei sind die Exponate einfach zusammengefalteter Stoff, der zusammengeknüllt auf den Säulen liegt. Alles Weitere wird von den Darsteller:innen sehr präzise und genau vermittelt. Insbesondere die feinen Unterschiede in den Exponaten zu ihren Originalen wurde sehr anschaulich präsentiert. Eindrücklich erzählt das Stück vom Umgang der Protagonist:innen mit diesen feinen Unterschieden. Von Begeisterung bis Empörung sind alle Reaktionen zu vernehmen. Am vehementesten dagegen ist Herr Keindel. Er setzt alles daran, seine Wohnung in Miniaturform zu besitzen, denn ihr kleiner Unterschied stört seine innere Ordnung. Und Ordnung ist ihm sehr wichtig. Sie treibt ihn in den Wahnsinn.
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© Felix A. Erb

Andere Veränderungen

Bei allen Klient:innen verändert sich das Verhältnis zu sich selbst. Einer verschiebt seinen Arbeitsschrank, um zu sehen, ob seine ehemalige Putzfrau vielleicht doch recht hatte. Prüft, ob der feine Unterschied etwas ausmacht. Im feingliedrigen Spiel werden Abgründe zwischen den Figuren sichtbar, tun sich Spannungen auf. Ehen werden auf den Prüfstand gestellt und unerwartete Umgangsformen sichtbar. Beispielsweise, wenn der Partner fragt was das Verschieben des Schranks soll und dabei verspricht die Antwort ernst zu nehmen. Nachdem seine Neugierde befriedigt wurde, lacht er trotzdem. Es scheint, als würde sich das Stück fragen, was macht der Suizid einer Person mit uns? Wie gehen wir damit um? Denn die Exponate wurden erst durch das Auffinden der toten Putzfrau entdeckt.
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© Felix A. Erb

Kreative Umsetzung

Die Sechs Darsteller:innen spielen mehrere Rollen mit unterschiedlichen Energien, schlurfen und gehen elegant, sind zerbrechlich und hart in ihrem Auftritt. Beeindrucken mit ihrer Präzision im Detail. Das Bühnenbild wandelt sich von der Galerie zu den einzelnen Wohnzimmern, Strassenszenen und Psychiatrien. Die Säulen werden zu Hockern, Betten, Tischen und Sofas. Bühnenbild und Darstellung fliessen sanft ineinander über. Dazwischen lockern pantomimische Szenen mit Musik die Szenen auf. Sie zeigen die Putzfrau bei der Arbeit oder ihre Klient:innen im Alltag, zum Beispiel beim Zähneputzen. Am süssesten ist das frisch verliebte Teenagerpaar, welches die ganze Situation am lockersten sieht. Abgesehen von ein paar schleppenden Szenen, ist dem Unitheater Basel ein schönes Stück über den unterschiedlichen Umgang mit Krisen gelungen.

Vorgestellte Produktion:
Die Abweichungen
Unitheater Basel

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