In Ilona Kannewurfs Stück When You Move Like That steht Noemi in der Mitte der Bühne und tanzt zu Janet Jackson. Sie ist Teil einer Mini-Playback-Show, die durch Einkaufszentren tourt. Geübt hat sie mit ihrem Kindermädchen und Nachbarin Severin vor dem Fernseher im Wohnzimmer. Den Wettbewerb gewinnt zwar immer das Playback von Michael Jackson, aber dennoch tanzt Noemi nie Michael, sondern immer Janet: «mir mached wiiter, bis d’Janet gwünnt».
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© Milad Ahmadvand

Durch das Leben tanzen

Auch nach der Mini-Playback-Show tanzt Noemi weiter. Sie geht ins Ballett, später in Clubs und zu jedem Lebensabschnitt tanzt sie dem Publikum eine passende Sequenzen vor. Das Tanz-Theater beginnt mit viel Witz und Humor und gibt einen Einblick in eine andere Welt. Dabei sind die unterschiedlichen Bewegungen, die Noemi vorspielt sehr genau und man kann sich vor dem inneren Auge ihren Bruder mit seinen Freunden sofort vorstellen. Energetischer Höhepunkt stellt der Abend in einem Club dar. Noemi wird von einem Mann angetanzt, sie kontert mit Tanzbewegungen und es entsteht ein Tanzbattle. Noemi zeigt uns die Moves, mit denen sie gewonnen hat und ruft beim Zenit «When you move, I move, just like that». Etwas später beginnt der Ernst des Lebens und Noemi beginnt eine Lehre, aber gleichzeitig auch eine Tanzausbildung, in der auch Modern Dance gelehrt wird. Modern Dance sei etwas schräg und sogleich verkörpert Noemi diesen sphärischen Tanz für das Publikum. Nach der Ausbildung muss sie viel Willenskraft beweisen, um in der Tanzwelt zu bestehen. Aber sie findet ihren Platz in einer professionellen Dance Company und ist zumindest für einen Moment angekommen.

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© Milad Ahmadvand

Starke One-Woman-Show

Mit dem Stück spricht Ilona Kannewurf unterschiedliche Themen an. Zum einen wie sich eine Kindheit in der Ostschweiz als Tochter einer Afrikanerin und eines Europäers anfühlt, zum anderen wie eine tiefe Liebe zum Tanz Leichtigkeit, Mut und Willenskraft ins Leben bringt. Die One-Women-Show spricht indirekt Themen wie Rassismus, Feminismus und Adoleszenz an. Sie tanzt um und auf einem Podest, zu Musik verschiedener Genres, teilweise in Begleitung von Videoprojektionen. Ausserdem gibt die Erzählung den Zuschauer:innen einen authentischen Einblick in die Welt des Tanzes. Dieses Stück ist Teil des Zürcher Tanzfestivals yeah, yeah, yeah und für ein Publikum ab 12 Jahren empfohlen. Es zeigt die unterschiedlichen Prozesse und Stadien, welche man von der Kindheit ins erwachsenen Leben durchläuft, eindrücklich auf. Ein Besuch kann ich nur empfehlen und das Publikum in der Roten Fabrik hat das Stück mit einer Standing Ovation gewürdigt.

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