Was bewegt junge Menschen? Was macht sie wütend? Und wovor fürchten sie sich? Im Stück «born to shine» von Sebastian Nübling und Ives Thuwis-De Leeuw kommen diese jungen Menschen selbst zu Wort. Durch den Tanz drücken sie ihre Leidenschaften und Ängste berührend und verständlich aus.
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Unkontrolliertes Zucken, scheinbar wahllose Bewegungen. Der verselbstständigte Körper einer jungen Frau schlägt sich von der einen auf die andere Seite. Sie versucht zwar gegen diese triebhaften Bewegungen anzukämpfen, ist ihnen jedoch völlig unterlegen. Ihr Körper gewinnt die Überhand, er bestimmt und lenkt die Bewegungen. Nach einem wilden Tanz liegt die Schauspielerin (Elif Karci) völlig erschöpft am Boden und über ein Handy ist ihre verzerrte Stimme zu hören. Sie erzählt von ihrer Angst zu tanzen, von der Angst im Mittelpunkt zu stehen, angeschaut zu werden. Doch sie ist stärker als ihre Angst und um diese zu überwinden, besucht sie einen Tanzkurs. Durch hartes Training und die Unterstützung der Tanzgruppe wurde sie schliesslich zu einer starken Tänzerin und der Tanz zu ihrer Leidenschaft. Sie bewies Stärke und erreicht dadurch ihr Ziel.

Nähe und Distanz

Stark ist auch das Bühnenbild (Dominic Huber). Kleine Bildschirme bilden die Hauptlichtquelle des Stücks. Ob Strobo Licht oder Fernsehbildschirm, die multifunktionalen Kästen bestimmen die Atmosphäre auf der Bühne und unterstützten die Kraft des Tanzes. Die Choreografien stecken voller Energie. Spannung entsteht durch den genial terminierten Kontrast von wilden und ruhigeren Szenen. Getrieben von der Musik tanzt das Ensemble über die Bühne jede*r in einer eigenen Welt und dennoch sind sie über den Energiefluss miteinander verbunden. Die kraftvolle Szene stoppt abrupt und im nächsten Moment sitzen alle auf ihren Sesseln und surfen auf ihren Handys. Nicht nur die reale Verbundenheit, sondern auch die Virtuelle spielen eine grosse Rolle im Leben der jungen Erwachsenen. Über ihre Smartphones sind sie ständig miteinander verbunden, jedoch meist nur oberflächlich. Diese Tatsache wird im Stück tänzerisch umgesetzt: Zwei Personen stehen sich gegenüber, umarmen sich allerdings ohne jegliche Berührung. Allein über die Bewegung entsteht ein beklemmendes Gefühl – eine hervorragende Wirkung!

Hässig

Was macht dich so richtig wütend? Da gibt es bestimmt einiges, doch die Schauspielerin zählt fast 200 Dinge auf, die sie so richtig «hässig» machen. Besonders gelungen ist dabei die Balance von ernsten politischen Themen und amüsanten Auslösern der Wut. Rassismus und Nazis machen die Schauspielerin wütend, aber auch Koriander oder wenn Menschen darüber streiten, ob Ananas auf die Pizza gehört oder nicht. Beim Thema, dass in der Schule keine Bücher von Schwarzen Personen gelesen werden, sondern nur solche von alten weissen cis Männern, zeigt auf, was die Tänzer*innen beschäftigt und wo ihre Probleme und Ängste liegen. Sie sprechen dadurch ein aktuelles Thema ihrer Generation an. Schnell wird klar, was ihnen wichtig ist und wo sie sich Veränderung wünschen. Darin liegt die Sympathie des Stücks. Schnell wird klar, was ihnen wichtig ist und wo sie sich Veränderung wünschen, und darin liegt die Sympathie des Stücks. Wir alle sind «born to shine», auch wenn wir in einer Welt leben, die keinesfalls überall scheint. Das Stück überträgt das nötige Empowerment, zeigt mit voller Energie, dass Veränderungen möglich sind – egal ob im individuellen oder gesellschaftlichen Kontext. Also, hingehen und sich von dieser Dynamik mitreissen lassen. Es lohnt sich!

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Julius E. O. Fintelmann