Bei FINSTERE ARIEN IN FINSTEREN ZEITEN von der Jungen Oper Basel ist alles dabei – egal, ob Musik, Schauspiel oder Tanz, die jungen Schauspieler*innen zeigen ihr Können in fast allen Disziplinen. Das Stück basiert grob auf den Handlungssträngen von Sartres Geschlossener Gesellschaft und der Musik aus Dido und Aeneas von Henry Purcell und ist anderweitig gespickt mit Texten von Falk Richter.
© Susanna Drescher
Ausgerüstet mit College-Jacken, Kopfhörern und Handy sehen die Darstellenden schon ganz schön cool aus. Doch diese Coolness wandelt sich schnell in Verzweiflung und Streit, wenn die Handys keinen Empfang mehr haben und der Akku immer weniger wird. Die Gruppe ist eingeschlossen in einem Raum, abgeschnitten von der Aussenwelt und kontrolliert durch den Kellner, an dem kein Weg vorbeiführt. Sie haben überhaupt keine Ahnung, warum sie eigentlich in diesem Raum sind. Natürlich entstehen da dementsprechende Spannungen, Beziehungen und Auseinandersetzungen. Die Antwort darauf lautet: „Das Wichtigste ist doch, die gute Laune nicht zu verlieren!“ Dies ist auch das Motto für das Publikum, denn obwohl die Geschichte ungewiss bleibt, geht die gute Laune auf keinen Fall verloren. Die jungen Darstellenden triumphieren mit Gesang, Tanz und tiefsinnigen Mono- und Dialogen.
Was haben sie getan, wofür haben sie das verdient und vor allem wie kommen sie hier wieder raus? Das frag ich mich auch, denn bis zum Schluss bleibt die Fabel leider ungelöst. Dies scheint aber auch gar nicht der Anspruch des Stücks zu sein, vielmehr bietet es Raum für Interpretationen: Vereinzelung durch die Abhängigkeit von digitalen Medien und Existenzängste durch die Wegnahme ebensolcher? Zunehmender Kontrollverlust über unser Konsumverhalten? Die Verschlossenheit der Gesellschaft? Oder Gruppenzwänge und -Druck unter Jugendlichen? Vieles wird berührt, vieles wird gefragt, vieles regt zum Nachdenken an.
© Susanna Drescher
Als zum Schluss die Tür aufgeht und ein neuer Raum - das Publikum - entdeckt wird, wird klar, dass sich das Drama vermutlich einfach bis in die Unendlichkeit wiederholen wird. Alles scheint verloren und am Ende zu sein, dennoch gibt es Hoffnung: Der Kellner verabschiedet sich in bestem Wienerisch mit den Worten: „Wenns mich jetzt nicht mehr brauchen, dann geh ich jetzt zu meinem Onkel.“
Die Abwechslung von Theaterspiel und musikalischen Beiträgen macht den Abend zu einem grossartigen Theatererlebnis. Gerade die circa zehnminütige Partyszene, in der die Jugendlichen ihre Lieblingshits, von Karel Gott und dem Musical Hair bis zu Una furtiva lagrima und O sole mio präsentieren, bleibt als Knaller in Erinnerung. Bedauerlicherweise sind keine weiteren Termine für FINSTERE ARIEN IN FINSTEREN ZEITEN angesetzt. Schade!

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