© junges theater basel

Voller Erwartung und Vorfreude betrete ich die Box des Schiffbaus. Doch mit dem was mir in den folgenden eineinhalb Stunden gezeigt wird, habe ich definitiv nicht gerechnet. Flex fegt mich voll und ganz weg – mind-blowing pur.

Die Eröffnung der Theatersaison 2019 / 2020 am Schauspielhaus Zürich, die zudem auch die neue Intendanz einläutet, startet mit einem Stück des jungen theater basel von der neuen Hausregisseurin Suna Gürler.

Frausein – Do's und Dont’s

Sechs Schauspielerinnen stehen auf der Bühne und stellen sich den Schwierigkeiten des Frau-(Mensch-)seins heutzutage. Von Geburt an wird dir gesagt, wer du zu sein hast, beziehungsweise wie du sein sollst. Nicht nur Eltern, sondern auch Lehrpersonen, Freund*innen, Youtuber*innen und Influencer*innen beeinflussen dich dabei. Es gibt ganz klare, teils unausgesprochene Regeln, was das Frausein anbelangt. Was man mögen und nicht mögen, was tun und lassen soll, was richtig und was falsch ist.

Die sechs Schauspielerinnen vom jungen theater basel sprechen aber nicht nur die Probleme und Tabus an, sondern zeigen auch ihre Absurdität auf. Wie unlogisch es doch ist, dass ich zwar weiss, dass die Frauen in den Zeitschriften gephotoshopt sind, es aber trotzdem zu meiner Realität wird, dass ich so aussehen will und soll. Dass ich als erwachsene Frau mich für meine Figur schäme, mich unwohl in meinem eigenen Körper fühle, gar hässlich finde und mich im Sommer erstmal daran gewöhnen muss, wieder einen Bikini zu tragen.
Wie wichtig es in der heutigen Social-Media-Zeit geworden ist viele Follower, Likes und Daumen hoch zu bekommen. Dass es doch eigentlich selbstverständlich und völlig klar sein sollte, dass ein Ja zu Sex ein Ja bedeutet, ein Nein aber auch wirklich ein Nein…

Wir haben es selbst in der Hand

Diese Frauen da auf der Bühne sind stark. Sie sind mutig. Unverblümt. Wahr. Und echt. Sie haben mir aus dem Herzen gesprochen, mich zum Lachen und zum Nachdenken gebracht. Darüber, wie diese Welt derzeit funktioniert. Wie sehr wir von aussen begutachtet werden, bewertet, (ver-)beurteilt. Und wie wir das aber auch mit uns machen lassen. Doch das ist meine Entscheidung.
Sie fordern auf zu entscheiden. Was ich selber will, wer ich sein will, was ich sein kann.

Die Leistung dieser jungen Frauen begeistert mich. Lea Agnetti, Anna Lena Bucher, Alina Immoos, Elif Karci, Noemi Steuerwald und Antoinette Ullrich haben in mir eine Revolution ausgelöst. Hinzustehen. Zu zeigen, wer ich bin. Nichts zu verschönen, aber auch nichts wegzulassen oder zu verstecken. Dafür danke.

Und danke, dass ein solches Stück, mit so viel junger Frauenpower den Start in eine neue Saison, nein Intendanz machen darf.

Ein Theater der Zukunft

Vor dem Stück halten die beiden neuen Intendanten Nicolas Stemann und Benjamin von Blomberg eine kurze Rede. Darin lassen sie anklingen, dass für sie die zentrale Frage ist, wie junge Menschen ein Teil des Hauses werden, denn sie seien die Zukunft. Und die beiden neuen Intendanten wollen genau das: Ein Theater der Zukunft gestalten.

Als ich nach dem langen, mächtigen, verdienten Applaus nach Hause gehe, fühle ich mich beschwingt, stark und vor allem voller Vorfreude auf alles was da noch kommt. Denn am Schauspielhaus Zürich ist eine neue Zeit angebrochen!

© junges theater basel

„Sechs Frauen mit der Wucht eines Orchesters.“

Stimme aus dem Publikum.

Vorgestellte Produktion:
FLEX
Schauspielhaus Zürich
«Nachdem uns von Geburt an alle, wirklich alle – also Eltern, Nachbarn, Lehrpersonen, Freundinnen, Youtube-Tutorials, Blicke auf der Strasse, Blicke im Schwimmbad, überhaupt Blicke! – immer und immer …
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