Was kommt euch in den Sinn, wenn ihr an Fridays for Future denkt? Genau, Greta Thunberg! Im gleichnamigen Stück Greta von Suna Gürler wird das Publikum humorvoll zum Streiken aufgefordert.

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© Laura Rivas Kaufmann

Die Schauspieler:innen stürmen durch die Tür und rufen auf zum Klimastreik und die Zuschauer:innen sind von Beginn an mitten im Geschehen. Die Uraufführung von Greta fand in einem Klassenzimmer statt. Für die Inszenierung am Schauspielhaus Zürich wurde die Pfauen-Kammer in ein solches umgebaut. Das Publikum sitzt auf höhenverstellbaren Holzstühlen, jeweils zu zweit an einem Tisch – wie wir es eben aus der Schule kennen. Gespielt wird nicht nur vorne an der Tafel, sondern auf den Tischen und im ganzen Raum verteilt. Das Klassenzimmer wird zur Bühne. Also nichts wie raus und los zum Klimastreik? So einfach ist es dann leider doch nicht.

Vor- und Feindbild

Die junge schwedische Klimaaktivistin hat zehntausende von Jugendlichen mobilisiert, wurde zum Vorbild von jungen Menschen, aber auch zum Feindbild vieler Erwachsener im Kampf um die Zukunft der Welt. Im Stück wird genau diese hin- und her zwischen Jugendlichen und Erwachsenen thematisiert. Muss man auf Fleisch, Plastik neue Kleider verzichten, nur weil man sich am Klimastreik beteiligt – Fragen, mit denen die Klimajugend immer wieder konfrontiert wird und auf die es nicht ‚die‘ Antwort gibt. Das Stück ist nahe an der Realität und zeigt sich auch immer wieder, dass die Streikenden Kompromisse eingehen müssen: Eine Streikende kann sich nicht komplett vegan ernähren, da sie noch zu Hause wohnt und ihre Eltern für sie kochen oder ein Jugendlicher kann nicht am Streik teilnehmen, da er am Freitag arbeiten muss und seine Lehrstelle verlieren würde, wenn er nicht am Arbeitsplatz erscheint. Greta ist am Puls der Zeit, bestärkt die Jugendlichen in ihrem Anliegen und zeigt, dass sie nicht allein sind mit ihren Problemen.

Ernster Unterton

Wie erreicht man Menschen, am Klimastreik teilzunehmen? Genau das versucht die Outreach Gruppe (Lina Hasenfratz, Lara Fuchs, Roman Kiwic). Sie verfolgen das Ziel, dass jede:r jeweils eine Person zum Streik mitbringt. Keinesfalls wollen sie den Moralapostel spielen, sondern auf spielerische Weise das Publikum zum Streik aufrufen. Mit viel Humor und witzigen Kommentaren wie, als Goldküstenkind hat man keine Beziehung zu seinen Eltern, sondern nur zur Nanny wird die Situation aufgelockert. Ein ernster Ton schwingt jedoch immer mit, schliesslich betrifft die Klimakrise die gesamte Gesellschaft. Radikale Ideen wie die Benzinpreise, um das zehnfache zu erhöhen werden über den Haufen geworfen und es wird klar: Niemand muss perfekt sein, aber alle müssen sich ein bisschen einschränken, denn der Klimawandel betrifft uns alle. In diesem Sinne, auf zum Streik oder wenigstens ins Theater!

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© Laura Rivas Kaufmann

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