Klimaerwärmung, verhungerte Menschen und Mobbing: Im neuen Stück der Jungen Bühne Bern «Wirrwarr auf dem Olymp» wird trotz durchaus sehr ernster Thematik viel gelacht.

© Silvia Moser

Es herrscht totales Chaos auf dem Olymp! Die Göttin der Nacht fliegt mit ihrem klimaneutralen Flugzeug Nacht für Nacht um die Erde, der Gott Facebook ist dement und den Göttinnen der Witze und Scherzartikel sind die Ideen ausgegangen. Den Göttern und Göttinnen ist es einfach nur „längwilig“. Vor lauter Langeweile streiten sie sich nur noch, beschimpfen sich mit Fluchwörtern und verprügeln sich mit gefüllten schwarzen Abfallsäcken (auf der Bühne eingerichtet von Pascal Pompe). Die Szenen sind laut und chaotisch – nicht nur auf der Bühne, auch das Publikum sucht nach dem roten Faden der Geschichte.

Blick auf die Erde

Um dieses Chaos auf dem Olymp zu ordnen, werfen die Göttinnen und Götter einen Blick auf die Erde. Auch das Stück selbst, unter der Leitung von Karin Maurer und Marcel Leemann gliedert sich und wird mehr zu einer Geschichte. Beim Anblick der Menschenwelt auf der Erde, wird den Göttinnen und Göttern klar, dass diese in einer problematischen Situation stecken und die Menschen ihre Hilfe brauchen Die schnellen Szenen- und Rollenwechsel zwischen Olymp und Erde bringen frischen Wind ins Spiel und das Publikum lacht bei fast jeder Szene. Die Göttinnen und Götter erkennen Problematiken wie Mobbing, Armut und Naturkatastrophen. Es wird über ernsthafte Probleme diskutiert und wie diese gelöst werden können und trotzdem ist das Publikum sehr amüsiert dabei – wie ist dies vereinbar?

Weltprobleme einfach gelöst

Die Szenen zeigen die Probleme der Menschheit auf, aber immer durch die Augen der Kinder des U12-Clubs, der Jungen Bühne Bern. Dieser Perspektivenwechsel fürs Publikum, die Welt mit Kinderaugen zu sehen, lässt die Probleme klein und einfach zu lösen, erscheinen. Mit diesem Mittel wird die nötige Distanz geschaffen und das Stück sehr humorvoll. Menschen müssen nicht mehr sterben, sondern werden vom Gott des Lebens einfach wiederbelebt, die hungernden Menschen kriegen vom Gott des Essens einfach genügend Nahrung, um ihren Hunger zu stillen. Durch das Lösen der Probleme der Menschen, löst sich ganz einfach das Problem der Langeweile auf dem Olymp. Die Einwohnenden des Olymps helfen die Probleme der Welt zu lösen und haben dadurch wieder eine Aufgabe zu erledigen.

© Silvia Moser

Ganz so einfach ist dann doch nicht, das Stück gewinnt zum Schluss an Tiefe und Ernsthaftigkeit. Die Göttinnen und Götter können nicht alles alleine lösen, die Menschen müssen mithelfen, beim Aufräumen der Welt – sie appellieren ans Publikum für eine bessere Welt. Wir werden direkt aufgefordert, mitzuhelfen eine bessere Welt zu schaffen und nicht das Gefühl zu haben, die Göttinnen und Götter sehen uns nicht – sie sehen alle und niemand kann sich vor seiner Mithilfe drücken. „Das sagt eigentlich alles“ – so lautet das Ende der Inszenierung, wie auch das dieser Kritik.

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