Warten, warten, warten. In ihrem neuen Stück FÜNFTER SEIN zeigt die Junge Bühne Bern wie unterhaltend Warten sein kann.
© Silvia Moser

Im Wartezimmer des Doktors geht es drunter und drüber: Piraten bekämpfen sich mit ihren Kanonen und Schiffen, ein Raumschiff fliegt zum Würstliplanet und Boxer bekämpfen sich im Ring. In ihrem neuen Stück befassen sich die Spielenden des U10-Clubs der Jungen Bühne Bern unter der Leitung von Eva Kirchberg, Vera Vanoni und Jenni Arne mit dem Motiv des Wartens und was gegen die Langweile während des Wartens gemacht werden kann. Inspiriert ist das Stück von dem gleichnamigen, mittlerweile sehr bekannten Gedicht von Ernst Jandl. Sein Gedicht fünfter sein erschien das erste Mal im September 1970 in seinem Lyrikband der künstliche baum, welcher bereits fünf Jahre später zu seinem Standardwerk gezählt wurde.
Elf kranke Tiere sitzen im Wartezimmer und warten darauf, dass sie an der Reihe sind - «Tür auf, einer raus, einer rein, Vierter sein». Wenn sie endlich dran sind und durch die Tür zum Doktor können, wird es dunkel und das Gespräch im Arztzimmer per Videoprojektion gezeigt. Die Tiere beschreiben ihre Krankheit und erhalten vom Doktor - der nicht spricht und nur durch seine Hände symoblisiert wird - sogleich die passende Medizin. Die Doktorszenen sind witzig, da man die Anworten und Fragen des Doktors nicht hört und die Schauspielenden während dem Reden der Kamera Grimassen schneiden. Wieder zurück im Wartezimmer: «Tür auf, einer raus, einer rein, Dritter sein.» So nimmt das Stück seinen Lauf, bis jedes Tier behandelt ist.

© Silvia Moser

Nicht nur das Spiel, sondern auch die Kostüme verleihen dem Stück Humor. Der Panther kann nichts mehr sehen und kommt deshalb zum Arzt, beim Spiel mit den anderen Tieren im Wartezimmer, bemerken sie, dass ihm die Kaputze einfach zu tief im Gesicht hängt und er deshalb nichts sehen kann. Auch Frau Büsi Büsi, eigentlich eine Katze, welche sich aber für einen schwarzen Beerenstrauch hält, der reden kann, sorgt mit ihrem Kostüm für Lacher.
Das Publikum amüsiert sich bestens und die Theaterbegeisterung der teils sehr jungen Schauspielenden ist spürbar. Ein auf beiden Seiten gelungener Abend.

Vorgestellte Produktion:
Fünfter sein
Junge Bühne Bern
Warten. Beim Doktor. Wann bin ich endlich dran? 4 sind vor mir. Was haben sie eigentlich? Darf ich wohl fragen? Oh, das tut mir leid. Warten. Einer raus. Eine rein. 4ter sein. Mal Zeitung lesen. Hm, l…
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