© Verein Fokus Leben

Als ich in den Salon der Markthalle Basel trete, sind fast alle Publikumsplätze schon besetzt. Der Raum ist hell erleuchtet und es ist warm. Erst nachdem ich mir den Weg zu meinem Platz gebahnt habe, fällt mein Blick nach vorne. Drei junge Patient*innen liegen dort mit geschlossenen Augen in Krankenbetten, an denen Infusionsbeutel befestigt sind. Das heitere Geschnatter im Raum kontrastiert mit der kühlen Krankenhausatmosphäre, die sich sofort bei mir einstellt. «Die haben ja schon angefangen», raunt mir die Frau neben mir zu und reckt den Hals, um besser nach vorne sehen zu können Dann erlöscht das Saallicht und ein junger Mann im Rollstuhl fährt auf die Bühne. Mit einem schelmischen Lächeln begrüsst er das Publikum und kündigt das Stück an, das von «Krankheit, Leben und Liebe» handle. Er bittet uns zum Schluss, nichts auf die Bühne zu werfen, was einige Lacher erntet.

Fokus Leben

Hinter LIEBES-SPIEL steht der Verein «Fokus Leben», der mit Menschen in besonderen Lebenssituationen Theaterstücke und andere Projekte unter professioneller Leitung erarbeitet. Dabei sind bereits Stücke über Jugenddepression und Essstörungen entstanden. LIEBES-SPIEL ist das Folgeprojekt von DIE FEUERINFUSION ODER DAS LACHEN DES ROLLSTUHLS, das im Jahr 2018 in der UKBB aufgeführt und ans fanfaluca eingeladen wurde. Für das neuste Projekt haben junge Menschen mit einer unheilbaren Krankheit sich künstlerisch mit dem Thema Liebe auseinandergesetzt. Durch Theaterimprovisation und unter der Regie von Stephan Laur und Barbara Imobersteg ist so das Stück LIEBES-SPIEL entstanden, das am 23.1. Premiere feierte.

© Verein Fokus Leben

Lieben und Leben

Im Zentrum von LIEBESSPIEL stehen Cécile, Andrea und Frank, die alle eine unheilbare Krankheit haben. Doch niemand von ihnen möchte sich auf die Cystische Fibrose oder die Lähmung reduzieren lassen, die sie ans Krankenbett fesseln. Sie haben Hoffnungen und Träume und in ihnen steckt eine Lebenslust, die bewundernswert ist. Wie alle anderen auch haben sie den Wunsch, zu lieben und geliebt zu werden, sei es die Liebe zwischen Mutter und Tochter, zwischen Freund*innen oder die sexuelle Liebe. Doch sie machen oft schmerzhafte Erfahrungen, werden von anderen wegen ihrer Krankheit stigmatisiert und zurückgewiesen. Das Stück zeigt aber auch, wie Liebe gelingen und Halt bieten kann. Das Krankenhaus wird zu einem Ort, an dem nicht das Leid überwiegt, sondern Trost und Liebe und manchmal auch Romantik.

Neben den drei Patient*innen lernen wir eine Reihe von anderen Figuren kennen, die im Krankenhaus ein- und ausgehen. Eine liebevolle Krankenschwester zum Beispiel, der Cécile ihr Herz ausschütten kann und die ihr die langen Aufenthalte im Krankenhaus leichter macht. Oder aber eine ziemlich herzlose Ärztin, der mehr daran liegt, ihren Willen durchzusetzen, als das Wohlergehen der Patient*innen in den Vordergrund zu stellen. Dabei nehmen einige Spieler*innen mehrere Rollen ein, einmal sind sie Patient, dann wieder Angehörige oder Ärztin. Die Trennung zwischen gesunden und kranken Menschen wird dadurch aufgehoben und ich verstehe das als einen Appell, im Menschen nicht in erster Linie die Krankheit zu sehen. Ein Mensch, der wie jeder andere ein selbstbestimmtes (Liebes-)Leben führen will und kann.

© Verein Fokus Leben

LIEBES-SPIEL sprüht von der ersten Minute an vor Lebensfreude und Spiellust. Ohne vor Tabus zurückzuschrecken zelebrieren die Spieler*innen das Leben und die Liebe. Dabei bringen sie viel von ihren Erfahrungen mit ein, was das Stück unglaublich authentisch macht. Voller Witz und Weisheiten öffnen sie den Blick dafür, was im Leben wirklich wichtig ist und richten einen klaren Appel für mehr Offenheit, Toleranz und Respekt ans Publikum. Ich kann nur sagen: Hut ab.

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Léonce Aklin