Verlangen nach Liebe, Verlangen nach Wasser, Verlangen nach Zärtlichkeit - kann dieses Verlangen denn nie gestillt werden? Unter der Leitung von Eva Kirchberg, Laura Imperiali und Jenni Arne entsteht das neue Stück FATAMORGANA des Jugendtheaterclubs U21 der Jungen Bühne Bern.
© Silvia Moser

Ein neues Stück, aber altbekannte Muster: Die Bühne wird verdunkelt, Musik flutet den Raum und das Ensemble eilt ziellos über die Bühne. Die Unterbrüche der Szenen verlaufen bei FATAMORGANA nach dem etablierten Jungen-Bühne-Bern-Schema. Nicht nur die Szenenwechsel rufen Erinnerungen an vergangene Produktionen hervor, sondern auch die plakative Darstellung von Figuren findet nicht zum ersten Mal statt. An der Bushaltestelle beobachtet eine Frau einen kleinwüchsigen Mann, der auf einer Bank sitzt und auf seinen Bus wartet. Sie löchert ihn mit Fragen über seinen Kleinwuchs, ob er nicht viele Probleme habe im Leben beispielsweise beim Kaufen von Klamotten oder beim Duschen. Es fallen Sätze wie: Ob seine Eltern auch Zwerge sind oder ob er im Zirkus arbeite. Die unfreiwillige Befragung schliesst mit einem «Ade, no eh schöne Tag» und dabei bleibt es dann. Genau darin liegt auch die Problematik. Ein wichtiges Thema wird angesprochen, aber weder tief greifend besprochen, noch reflektiert, man muss die Situation so hinnehmen, wie sie ist, nämlich unklar. Unklar ist auch wie diese Szene im Bezug zum Thema Verlangen und den restlichen Szenen verstanden werden soll, sie scheint noch nicht abgeschlossen zu sein - die Hoffnung auf eine Erklärung besteht vergebens. Ist diese Szene überhaupt nötig für das Stück? Falls ja, wäre es sinnvoll, zu wissen warum.
© Silvia Moser

Einfälle

Ein Thema und viele Einfälle des Ensembles beschreibt das Stück des Jugendtheaterclubs treffend. Die kollektive Arbeitsweise für die Entstehung von FATAMORGANA ist deutlich sichtbar auf der Bühne. Die einzelnen Auftritte könnten beliebig aneinandergereiht, verschoben oder weggelassen werden, denn der rote Faden existiert in diesem Theaterstück nicht. Unterbrüche mit Tanz tragen zu diesem Durcheinander bei. Die Szenen handeln immer mal wieder vom eigenen Verlangen und dem Verlangen seiner Mitmenschen. Einige Schauspieler*innen beginnen sich ihr eigenes Verlangen mit Filzstift auf die nackten Beine zu schreiben und wiederholen das Geschriebene laut für das Publikum: «bewusster Leben, schönere Füsse, sich für die Umwelt engagieren». Die Begierde nach Dingen nimmt überhand und es werden nicht nur Ansprüche an sich selbst, sondern auch an andere gestellt - anstelle der eigenen Körper werden jetzt, die der Mitmenschen beschriftet. Zuerst noch gesittet, spitzt sich die Lage mit jedem Verlangen zu, bis sie schliesslich eskaliert. Das Verlangen hört einfach nie auf, genau wie die Aneinanderreihung einzelner Szenen.
Ein Stück mit guten Ansätzen, was jedoch immer nur an der Oberfläche kratzt, anstatt in die Tiefe zu gehen. Es wäre schön gewesen, das Potenzial der einzelnen Szenen auszuschöpfen und dafür weniger Szenen in eine einstündige Inszenierung reinzuquetschen.

Kommentare unterstützt von Disqus.

Weiterlesen…

Sari Pamer

Sari Pamer

Sari Pamer