Es ist mir eine Ehre, einen Gastbeitrag für das Intrige Magazin verfassen zu dürfen. Als Mitglied des Unitheater Basel, von dessen aktueller Herbstproduktion der anschliessende Text handelt, bin ich der Thematik gegenüber jedoch keineswegs neutral eingestellt, weswegen die folgenden Ausführungen weder als sachliche Kritik, noch als subjektive Beschreibung zu missverstehen sind. Ich bitte die Lesenden deshalb, den Artikel als eine imaginierte Wunschkritik oder eher noch als Anpreisung zu lesen.
Der grosse Marsch – Unitheater Basel
Ein unorganisierter Haufen betritt die Bühne und bemüht sich ungeschickt in eine Reihenformation, die quer im Raum steht. Es folgt Jazz.
«Meine Mutter sagt: Dein Zimmer ist unordentlich! Räum es auf! Ich räume es aber nicht auf.»
Der grosse Marsch beginnt mit kindlichem Trotz und geht nahtlos über in den Auftritt des verunsicherten Autoren, der dem Publikum gleich zu Beginn des Stücks klarmacht, dass sein Anliegen nicht geringer ist als die Überwindung des Todes. Es geht um Widerstand. Widerstand gegen das Bestehende. Gegen die Wirklichkeit. Das trotzige Kind ist erwachsen geworden. Stur ist es geblieben.
Unmögliches Theater, so nennt Wolfram Lotz, der Autor des Stückes, sein Programm. Denn auf der Bühne ist alles möglich. Die Bühne ist für Lotz der Ort, wo das Unmögliche stattfinden kann. Ein Ort, an dem das, was möglich ist, nicht von der Wirklichkeit bestimmt werden muss.
Während das Publikum sich noch wundert, wie das denn geschehen kann, dass der Tod überwunden wird, steht plötzlich Hamlet auf der Bühne. Und schon ist er wieder weg. Auftritte und Abgänge ziehen sich als Konstante durch das ganze Stück. Langweilig wird es nicht, ständig geschieht etwas und nicht selten lacht das Publikum. Der Autor konstatiert bei seinem nächsten Auftritt dann auch:
«Vermutlich werden sie es lächerlich finden. Aber es ist eine Tragödie.»
Dem Publikum bleibt jedoch keine Zeit, sich aus dieser Aussage etwas zu machen, denn nun beginnt das Stück erst recht. Der Regisseur erscheint hoch zu Ross, zwischen viel Nebel und Lärm um Nichts, auf der Bühne, um gemeinsam mit seinen Bodyguards die Schauspielenden zum Weitermachen zu animieren. Der grosse Marsch schreitet unbarmherzig voran, gewährt bloss kleine Verschnaufpausen. Das Publikum wird mitgerissen durch Action, durch Chaos, durch ernsthafte Themen, die an die Grenzen der gewohnten Wertvorstellungen stossen, durch komische Situationen, durch Schönes und Trauriges. Und doch, trotz all den Geschehnissen, stellt sich irgendwann die Frage ein: was geschieht da eigentlich? Geschieht eigentlich überhaupt etwas?
Die Schauspielenden wirken gespannt, man merkt ihnen an, das Grosse kommt noch. Sie reissen das Publikum mit. Das Grosse kommt noch. Es kommt. Was es ist? Das weiss noch niemand.
Bis schliesslich Prometheus auf der Bühne steht. Und die Hoffnung aus der Büchse der Pandora reisst.
«Verstehen Sie denn nicht? Die Götter... oder Gott... also wie auch immer... jedenfalls: Die haben uns das Leben blockiert! Die haben uns einfach das Leben blockiert!
Aber ich nehme das nicht mehr hin! Ich lasse mich nicht mehr umbringen! Ich weiß es nämlich jetzt! Ich weiß es jetzt: Die haben einen Fehler gemacht! Sie haben nämlich...»
Tickets reservieren auf: unitheater.ch

Vorstellungen: 24.-26. September 01.-03. Oktober Jeweils Do, Fr und Sa um 20 Uhr.
Aufführungsort: Lysbüchelhalle, Lysbüchelstrasse 400 (vis-à-vis Schmoll AG), 4056 Basel

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© Felix Erb
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