© Gina Folly Das neue Leitungsteam am Schauspielhaus Zürich.

Mit der neuen Intendanz von Benjamin von Blomberg und Nicolas Stemann am Schauspielhaus Zürich (oder eben Zchauspielhaus Sürich, wie sie es gerne nennen) wird auch der Bereich für junge Menschen neugedacht. Nicht nur sollen ab jetzt Jugendliche in mehr Produktionen eine gewichtige Rolle spielen, es werden auch wieder wöchentliche Jugendclubs eingeführt.

Ab September 2019 bietet das Schauspielhaus Zürich vier wöchentliche Jugendclubs für alle Spielbegeisterten zwischen 13 und 23 Jahren an. Hausregisseurin Suna Gürler und ihr Theaterpädagogik-Team leiten die Proben: Theater kennenlernen, diskutieren, improvisieren, tanzen, schreien, schwitzen und über die gesamte Spielzeit hinweg gemeinsam einen Theaterabend erarbeiten. Im Mai und Juni 2020 wird dann Premiere gefeiert: alle vier Clubs spielen drei öffentliche Vorstellungen in der Schiffbau-Matchbox resp. in der Kammer des Pfauens, worüber wir natürlich auch schreiben werden.
Suna Gürler, Patrick Oes und Katarina Tereh bilden neu das Team der Theaterpädagogik am Schauspielhaus Zürich. Alle Drei waren selbst früher in Jugendclubs und haben dort erste Spiel- und Regiererfahrungen gesammelt. Hausregisseurin Suna Gürler erinnert sich: «Ich selber habe mit 13 Jahren angefangen in einem Jugendclub, einem Kurs am jungen theater basel zu spielen. Ich wollte das unbedingt, war aber ein sehr schüchternes Kind und meine Mutter musste mich regelrecht dahinschleppen. Für den Schupps bin ich bis heute dankbar, denn die Zeit in den Jugendclubs war für mich das Aufregendste und Lehrreichste, was mir passieren konnte. Und natürlich begann dort ein gewisser Berufswunsch zu wachsen und blühen…»

Diese Erfahrung wollen Gürler, Oes und Tereh jetzt weitergeben: Mit der Wiedereinführung der Jugendclubs am Schauspielhaus Zürich wollen sie «eine Verantwortung für den Nachwuchs übernehmen, die eigentlich selbstverständlich ist». Alle drei sind überzeugt, dass damit bestehende Angebote wie das LAB oder das geplante Kinder- und Jugendtheaterhaus sinnvoll ergänzt werden, wie das in anderen Schweizer Städten bereits geschieht: «Städte wie Basel oder Bern haben im Vergleich zu Zürich ein viel etablierteres und diverseres Theaterjugendclub Angebot», betont Tereh und verweist auf Angebote vom Schlachthaus Theater, dem KonzertTheaterBern und der Jungen Bühne Bern, die sich in Bern seit Jahren ergänzen beziehungsweise dem jungen theater basel, dem Theater Basel oder dem Theater Süd in Basel.
Ebenfalls auf Initiative der neuen Theaterpädagogik hat das Schauspielhaus Zürich neu fünf Jahrespraktikantinnen: Das Theaterjahr. Zwei davon ebenfalls mit Jugendcluberfahrungen: Anna (22) erinnert sich an «eine sehr intensive Zeit. Die Zeit im Jugendclub, hat mich ganz klar politisiert. Zum Nachdenken angeregt. Und mich unbewusst dazu aufgefordert, mich mit dieser Welt auseinander zu setzen. Mich ihr entgegen zu stellen. Ich habe ein Selbstbewusstsein entwickelt. Und gelernt, dass ich auch als junger Mensch eine Stimme habe und diese auch erheben darf.» Jasmin (21) beschreibt ein Jugendclub als «Ort, wo man seinen Ideen und Inspirationen freien Lauf lassen kann. Man trifft auf völlig unterschiedliche Menschen, die alle ein gemeinsames Interesse teilen und mit welchen man sich auf ein gemeinsames Abenteuer einlässt.»

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