Wir sitzen auf den Treppenstufen vor dem Theater Winterthur im Kreis. Wir, das heisst ich von Intrige, die u16-Jury, die aus fünf jungen Menschen besteht, und der Theaterpädagogin, welche die Jury an ihrem Festivalaufenthalt begleitet.

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© Tilman Pfäfflin
Christina: Stellt euch mal vor.

Jury: Ich heisse Lo, bin 15 und ich habe nicht viel mit Theater zu tun. Mich hats einfach interessiert, darum bin ich zu dieser Jury gekommen. Im Schulhaus wurde gefragt, wer diese Jury sein will und da haben wir uns beworben.

C.: Warum habt ihr euch beworben?

J.: Ich heisse Tamina und ich habe mich beworben, weil ich früher mal Improtheater gespielt habe. Meine Lehrerin hat mich da angemeldet, weil ich als Wahlfach Literatur habe.
Ich bin Kaira und dachte auch, das ist spannend; auch mal Theaterstücke zu bewerten.
Ich wollte auch einfach neue Sachen ausprobieren.

C.: Was ist denn das Spannende an Theater?

J.: Mich persönlich fasziniert mich vor allem das Schauspiel. Wenn ich einen Film schaue, überlege ich mir, wie schwierig es ist, das so zu spielen.
Ich finde es spannend, bei Schauspieler:innen zu beobachten, wie sie Gefühle transportieren, wie sie in Rollen schlüpfen und vor allem wie etwas glaubwürdig verkörpert wird.

C.: Was habt ihr für Seherfahrungen von Theater? Genres, Formate?

J.: Improvisationstheater. Kasperlitheater, Puppentheater, Tanz, also Ballett.
Ich war früher viel im Figurentheater und sonst viel Kindertheater.
Und die zwei am Festival: eines war ein Figurentheater und das andere ein Klassenzimmertheater.
Ah und ich habe mal Hänsel und Gretel im Opernhaus gesehen.

C.: Was sind eure Kriterien bei eurer Auswahl als Jury?

J.: Also wir schauen auf die Geschichte.

C.: Und wenn es keine Geschichte gibt? Oder was ist für euch eine Geschichte?

J: Also wir schauen einfach darauf, dass es einen roten Faden gibt, dass das Publikum gut mitkommt und versteht, um was es geht.
Dann schauen wir aufs Schauspiel: Ist es überzeugend? Wie ist die Mimik?
Ich habe keine Kriterien; mich muss es einfach berühren. Man hat doch nach dem Stück meistens ein Gesamtgefühl. War es spannend? Hat es mich unterhalten?
Dann weiter fragen wir: Gab es Publikumsinteraktionen? Wie ist die Verbindung von Bühne und Publikum?
Ursula Rösli (Theaterpädagogin): Wenn ich ergänzen darf: Wir haben nicht wirklich Kriterien, sondern eher Diskussionspunkte, die sie hier aufgezählt haben. Wir reden über das, was wir beobachten konnten. Die Bewertung ist dann eher auf einer Gefühlsebene; der Vergleich fällt uns aber schon schwer, weil jedes Stück so für sich steht. Kriterien ist also wie das falsche Wort. Wir besprechen einfach unsere Eindrücke im Nachhinein mit etwa diesen genannten Punkten: Schauspiel, Ausstattung, Beziehung zum Publikum, das Thema oder die Geschichte und der erste Ein-druck.

C.: Schaut ihr als junge Jury darauf, dass es für euch zeitgenössisch ist?

J.: Jein, es ist schon auch die Frage, ob das Thema aktuell ist oder nicht. Aber es ist nicht schlechter, wenn das Thema alt ist. Dann schauen wir auch, was sind die Erneuerungen? Gibt es darin etwas Neues oder ist eine billige Imitation?
Also ich finde alle Geschichten interessant, auch wenn sie nicht so modern dargestellt werden. Das Schauspiel und das Bühnenbild muss passen. Gestern sahen wir den Hobbit und da gibt es alte Sprache und so, aber wenn es gut umgesetzt ist, dann macht das überhaupt keinen unter-schied, ob die Geschichte alt oder neu ist.
Ursula Rösli (Theaterpädagogin): Und das Theaterstück von heute morgen Paul mit einem aktuellen Thema, Trans-Sein, wie fandet ihr das?
J.: Also ich habe es darum nicht langweiliger gefunden, auch wenn man schon viel über diese Thema hört. Aber man kann immer etwas lernen. Es ist ja nicht langweilig, auch wenn du schon tausend mal eine Katze gesehen hast, eine Katze in einem Theaterstück zu sehen, oder?
Ich finde es gerade darum spannend, weil man schon viel über dieses Thema gehört hat. Im Theater stück kriegt man persönliche Eindrücke durch die Rolle des Schauspielers mit und das schafft einen neuen Zugang.

C.: Eine Frage hierzu: Was kann das Theater zu einer gesellschaftlichen Diskussion beitragen?

J.: Vielleicht kann man im Theater verschiedene Meinungen hören. Das kann man zwar auf sozialen Medien auch, aber dort ist es eher kurzgehalten. Im Theater gibt es mehr Raum und man kann verschiedene Argumente betrachten. Der Inhalt ist bearbeiteter und recherchierter als zum Beispiel der einer Facebook-Diskussionen.
Ich finde die Frage schwierig. Man kann einfach sehr schnell tippen und die Nachricht ist weg. Beim Theater nimmt man sich Zeit, danach ist man zusammen draussen, redet und dann, glaube ich, können sinnvollere Diskussionen entstehen.

C.: Was wünscht ihr euch im Allgemeinen mehr oder überhaupt auf der Bühne? Was, wer und in welcher Form?

J.: Die alten Römer möchte ich sehen. Wie sie sich kleiden, wie sie miteinander reden.
Mir ist das egal, so lange das Schauspiel gut ist, die Themen interessant, etc.
Mich muss es einfach mitreissen; eine Spannung muss vorhanden sein.
Ich möchte glaubs einfach etwas Lustiges sehen.
Ich möchte Theater sehen, wo ich hinterher noch darüber nachdenke. Oder dass es einfach eine schöne Erinnerung ist.
Ich habe auch Theater gerne, die aktuelle Themen aufgreifen.

C.: Danke für das Gespräch. Wir gehen nun ins Theater und gucken uns Oh Romeo! an.

Die Jury hat das Ballett von Zirkus FahrAway als ihren Favoriten gewählt.

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