Die «Internationale Vereinigung des Theaters für junges Publikum» oder eben «Association Internationale du Théatre pour l’Enfance et la Jeunesse» (kurz ASSITEJ) Schweiz vergibt das erste Mal den neuen Prix ASSITEJ.
«Mit dem ersten Prix ASSITEJ Schweiz werden zwei verdiente Persönlichkeiten für ihr impulsgebendes Engagement zugunsten des professionellen Theaters für ein junges Publikum ausgezeichnet.» So steht es in der Medienmitteilung zur Preisverleihung, die während des Jungspund Festivals am 28. Februar 2020 stattfand.
Geehrt werden Theatermacherin Nina Knecht und Komponist und Musiker Simon Ho. Nina Knecht ist Gründerin und Geschäftsführerin des Vereins PRIMA, der Theater für die Kleinsten, für Kinder unter vier Jahren also, in der Schweiz gross machen will und gross gemacht hat. Simon Ho ist bekannter Komponist für viele Kinder- und Jugendtheater auf der Welt und in der Schweiz. Beide werden nun für ihre Arbeit mit dem Fachpreis Prix ASSITEJ ausgezeichnet.

Preisträger*innen Nina Knecht und Simon Ho

Es geht keineswegs darum, den beiden ihre Ehrwürdigkeit abzusprechen. Es fallen aber einige zumindest hinterfragenswerte Dinge auf. So liegt der Altersdurchschnitt während der Preisverleihung in der Lokremise St. Gallen sicherlich bei nicht unter 40 Jahren, konservativ geschätzt. Das ist für alle, die jung sind und sich engagieren, ein nicht unbekanntes Bild. Also soweit alles im gewohnten, nicht wirklich motivierenden Rahmen. Noch mehr fällt das jedoch auf bei der Besetzung der Jury des Preises. Diese ist besetzt mit den Schauspieler*innen Gina Durler und Peter Rinderknecht, dem Leiter der Vermittlung am Theater Chur Loris Mazzocco, sowie Maike Lex, Leiterin des Schlachthaus Theater Bern. Auch hier: Die fachliche Kompetenz der Juror*innen ist sicherlich unbestritten. Aber wäre es nicht angebracht, wenn schon ein Preis für Theater für junges Publikum eingerichtet wird (was generell sehr begrüssenswert ist, da ein Preis immer mit Aufmerksamkeit und Wertschätzung einhergeht), dann auch die, an die das Programm gerichtet ist, einzubeziehen? Wie soll ein Preis für etwas, das sich durch das eigene Publikum auszeichnet, verliehen werden, wenn eben jenes Publikum so gar nicht einbezogen ist?
Das ist eines der Grundprobleme der Vermittlungsarbeit. Es kann nicht nur für sein, nein, es muss mit jungen Menschen sein. Junge Menschen sind eben nicht Rezipientinnen, sondern Akteurinnen, die sehr wohl ihre Bedürfnisse formulieren können. Wenn das Interesse, diese wirklich einzubinden, ernstgemeint ist, dann müssen junge Menschen in allen Ebenen – ja, dazu gehört in diesem Fall die Jury – mitreden, mitentscheiden können. Auch die Ausrede, dass es keine Menschen gäbe, die darauf Lust hätten, zählt nicht. Es gibt alleine schon bei den Voyeur*innen Schweiz genug junge Menschen, die auf eine solche Tätigkeit Bock hätten. Es ist der beste (und einzige) Weg, die Jugend entscheiden zu lassen, um ein Angebot zu entwickeln, dass diese abholt.
Das kann eine echte Chance für das Theater für junges Publikum sein. Wenn sich der Prix ASSITEJ nun mehr in die oben skizzierte Richtung entwickeln würde, könnte der Verband nicht nur die eigene Bekanntheit steigern (denn diese ist in nicht-Fachkreisen kaum gegeben), sondern sich positionieren. Es könnte eine Leuchtturm-artige Wirkung erzeugt werden, die weit über die Szene hinausgehen würde und zeigen würde, dass es eben darum geht, junge Menschen mitmachen zu lassen und vielleicht sich selbst ein wenig zurückzunehmen. Das beste an der Sache: Es würde nicht viel Effort bedeuten.
Zuallererst müssen junge Menschen ernstgenommen werden. Dann ist der grösste Schritt bereits getan.

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