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Liebe Maike,

du leitest zusammen mit Anneli Binder das kicks! Festival – Performing Arts für ein Junges Publikum. Was hat euch dazu inspiriert, kicks! ins Leben zu rufen?

Das ist jetzt das zweite kicks! welches stattfindet. Das erste hat 2016 stattgefunden, was eine Initiative vom Schlachthaus Theater war. Die Verbindung von damals zu heute ist, dass das professionelle Bühnenschaffen für ein junges Publikum Auftrittsmöglichkeiten erhält, Ressourcen nutzen kann und Anerkennung bekommt. Ein Unterschied ist, dass dieses Festival grösser geworden ist. 2020 haben wir uns mit der Dampfzentrale, dem Tanzhaus in Zürich und dem LAC in Lugano zusammengetan. Wir möchten dadurch auch die Sparte Tanz fördern und über die sprachlichen, geografischen und geistigen Grenzen hinausweisen.

Welches Bedürfnis deckt ihr in der Stadt Bern ab?

Das Festival findet von nächstem Donnerstag bis Montag lokal in Bern statt. Unser Bedürfnis ist es, das junge Bühnenschaffen zu fördern, denn es ist schweizweit wichtig, dies zu tun. Unser Anliegen, also das von uns Häusern mit zeitgenössischem Fokus, ist es, junge Bühnenschaffende zu fördern. Es geht vor allem darum, dass es Personen sind, die professionell arbeiten, ein künstlerisches Selbstverständnis haben und für junges Publikum produzieren. Das können auch etablierte Gruppen sein, die sich jetzt dem Jungen Theater widmen. Das Junge Theater hat noch keine gute Lobby, da wollen wir eingreifen. Weiter gehen die Bühnenschaffenden, die sich dem Jungen Theater widmen, das Risiko ein, abgestempelt zu werden. Auch da wollen wir entgegenwirken. Insgesamt ist das Festival für Familien aus der Umgebung und für Veranstalter:innen gleichzeitig gedacht und auch dementsprechend strukturiert. Es bedient also Kinder und ein Fachpublikum.

Wie kuratiert ihr die Produktionen, die ihr fördern wollt?

Vor zwei Jahren haben wir eine Ausschreibung lanciert, bei der Gruppen ihre Projekte einreichten. Eine Jury, die wir nominiert hatten, hat aus über 60 Dossiers fünf Projekte ausgewählt, die dann vom Schlachthaus Theater, der Dampfzentrale, dem LAC, dem Theatre St. Gervais und dem Tanzhaus Zürich mitproduziert wurden. Unsere Jury bestand aus Festivalleiter: innen, die in Deutschland, Italien und Frankreich tätig sind, sowie eine Person des Assitej Schweiz. Diese Jury hat uns ihre Favorit:innen dann vorgestellt.

Auf was freust du dich am meisten beim diesjährigen kicks!?

Ich freue mich auf die Dichte dieses Wochenendes. Dass man alle Produktionen sehen könnte, aber auch nur eine Produktion besuchen kann. Danach darf man in den Häusern noch verweilen. Wenn man will, kann man auch nur etwas Essen oder Trinken ohne Theater zu schauen. Ich freue mich darauf, dass man bei uns zum Tanz- und Theaterschauen zusammenkommen kann, aber auch über die Vorstellung hinaus.

Inwiefern ist das Festival ein Höhepunkt für das Schlachthaus Theater?

Ich leite das Schlachthaus seit 12 Jahren und dieses Festival ist ein Abschluss für mich, weil ich nach dieser Saison das Haus verlassen werde. Diese zwölf Jahre waren eine spannende Zeit, weil das Haus gleichwertig ein Haus für Junges Theater und Erwachsenentheater ist. Bei uns spielen Produktionen morgens, nachmittags und abends.

Wie oft wollt ihr das kicks! umsetzten?

Das Festival ist ein riesiges zusätzliches Projekt für uns als Theater. Es freut mich, dass wir von aussen ermutigt worden sind dieses Festival noch einmal zu machen. Vielleicht lässt sich dieses Konzept noch ein weiteres Mal wiederholen. Es war aber nicht seriell geplant, sondern es sollte ein Anstoss oder Impuls sein, eben ein Kick werden. Eine weitere Wiederholung ist Zukunftsmusik. Es würde mich aber freuen, wenn kicks! wieder einmal zustande käme.  

Welche Bandbreite decken die Stücke des diesjährigen Kicks! ab?

Haus meines Geistes ist ein philosophisches Stück. Der Zukunftsforschung widmet sich das Stück 2042 – Ein Spiellabor für Zukünfte. Es ist partizipativ mit Kindern entstanden. Nicht alle Eltern sind Pinguine erzählt die Geschichte einer queeren Familienplanung. Das Stück Milieu ist wiederum ein sehr ruhiges Stück über zwei einsame Wesen, die sich spielerisch begegnen. In Grrr Knrsch Ha! geht es um die starken Gefühlswelten von Kindern und Erwachsenen. Bei Erwachsenen sind starke Gefühle auch vorhanden. Sie gehen aber anders damit um als Kinder. Ich kann alle Stücke auch Erwachsenen empfehlen, die sich das auch ohne kindliche Begleitung anschauen wollen.
Das kicks! Festival findet nächstes Wochenende vom 19.5–23.5 im Schlachthaus Theater und in der Dampfzentrale in Bern statt.

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