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Schlicht. Schlicht, aber aussagekräftig. Überall im Raum verteilt stehen kleine zweier bis fünfer Ansammlungen von Drehstühlen, an allen Wänden Spiegel und in der Mitte liegen einige Menschen fast ganz in schwarz, mit einem geometrischen Stück Farbe.
Als wir alle sitzen, wachen die liegenden Körper langsam auf. Sie bewegen sich zuerst nur wenig, dann immer mehr, ein umschlungener Haufen. Was ist es wohl? Was kommt auf uns zu? Sie bewegen sich umeinander, ineinander, zeigen Nähe, verbreiten sich langsam im Raum. Eine synchrone Choreo – eckig, weich und gekonnt. Sie nehmen mehr Platz ein, sind um uns, mit starrem Blick und schnellem Gang. Gedankliche Linien werden gesponnen, es wird mit uns geflirtet, uns eindringlich angeschaut und dann rasch wieder den Blick abgewendet. Alles begleitet von starken, durchdringenden Beats.
Ich und die Menschen rund um mich sind sich nie ganz sicher, ob wir schon selber Teil des Stücks sind, wo wir hinschauen dürfen und ob wir nicht gerade auf der anderen Seite etwas verpassen. Es läuft etwas im ganzen Raum. Ich erhasche mich, wie ich durch die Spiegel, die nun mitten im Raum verteilt stehen, versuche Gespieltes auf der anderen Seite mitzubekommen. Die Spiegel kommen einem immer näher. Sie werden vor und zwischen uns Zuschauende gestellt. Ich sehe mein eigenes Spiegelbild. „Geraden Rücken!“ sage ich mir und überlege mir zugleich, wieso ich das jetzt wohl denke. Wieso ist mir mein Spiegelbild gerade unangenehm, zu nahe? Dabei kenne ich dieses doch so gut. Doch in diesem modernen abstrakten Spiegelkabinett ist mir die Realität meiner selbst doch etwas zu konkret.
„Was gsesch du?“ „Mein Spiegelbild kann nicht festgehalten werden“ „Ich bin am liebsten alleine“ „Im Spiegel bin ich Subjekt und Objekt zugleich – Voyeur und Exhibitionist“ „Ich kenne mein Gesicht beim Zähneputzen, aber nicht wenn ich so richtig lache“
Die Mischung aus mathematischen Vorschlägen, menschlicher Nähe und einem gegenseitigen Kennenlernen ist es, was mir von diesem Stück bleibt. Die wenigen Worte unterstützten und ergänzen das Performte wundervoll ich verlasse den Raum mit vielen Fragen und angefangenen Gedanken. Fragen über mich selber, und vor allem, ob ich und mein Spiegelbild denn dasselbe sind? Denn trotz Einfallswinkel, Ausfallswinkel, und Spiegelbeschaffenheit ist es dieses Spiel mit sich selber in der Reflektion des Spiegels, die mir in Erinnerung bleiben.

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