Quarantänepoesie

Von Dennis Schigiol

März 2020. Wegglauben, Wegsehen hat nichts gebracht. SARS-CoV-2 ist da und im Gepäck hat es eine Palette an Massnahmen: Abstandsregeln, Maskenpflicht, Isolation, Notpakete. Abschreckende Worte. Aber ich will sie drehen, auseinanderpflücken, auf mich draufbügeln oder einfach nur aushalten. „Abstand erzeugt Abstand.“ sagt eine Figur in Jonathan Safran Foers Roman „Hier Bin Ich“, welchen ich vor einiger Zeit gelesen habe. Ich weiss leider überhaupt nicht mehr, in welchem Kontext die Figur diesen Satz gesagt hat. Ich erinnere mich vage, an ein Paar, dass versucht seine Ehe zu retten und wahrscheinlich ist dieser Ausspruch eine bittere Erkenntnis des Protagonisten. Aus irgendeinem Grund habe ich damals also diesen Satz aufgeschrieben. Ich glaubte, eine bittersüße sehr klare Wahrheit darin gefunden zu haben, die es wert war aufzuschreiben. Aber das war eben damals. Bevor eine Pandemie uns gezwungen hat dem Begriff „Abstand“ mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Jetzt ist mir mein Notizbuch mit eben genau diesem Satz in die Hände gefallen und plötzlich las ich diesen Satz nicht mehr wie ein Manifest der absoluten Wahrheit. Er war jetzt total wässrig, unklar. Was soll das heissen? Was heisst denn Abstand? Jetzt war es naheliegender den Satz eher tot daliegen zu lassen, wie eine physikalische Formel: Abstand erzeugt Abstand. Ganz klar. Aber Physik war nie mein Steckenpferd. Abgewählt in der Oberstufe. Mir fehlte da immer Magic. Und da sitzen wir nun alle in diesem physikalischen Raum und halten Abstand. Aber merkt ihr es nicht auch? Da ist Magic. Da ist was und es war schon immer da. Jetzt in diesem Zustand, der Quarantäne, kann man mal hingucken, hinhören und sogar hingreifen. Berühren trotz Kontaktsperre.

Das geht.

Zum Beispiel mit Poesie.

Es grüßt, Dennis

Quarantänepoesie von ist eine Reihe von kurzen poetischen Videos in denen der Hamburger Schauspieler Dennis Schigiol fremde und eigene Texte, Gedichte, und Lieder aus seinem Kopf auf Eure Handys wirft.