Definitionszwang und Schwimmen in der Ungewissheit
Tanja Hoppler© Studierenden Theater Zürich)Das Zuschauerlicht erlischt, beleuchtet wird ein minimalistisches Bühnenbild, ein Baugerüst. Menschen treten in einer schönen Anordnung auf die Bühne. Mein erster Gedanke: Ein Chor? Ein Pulk? Meine Vorahnung wird bestätigt. Erst sprechen einzelne, dann werden Wortfetzen wiederholt, es wird chorischer, bis die geballte Kraft des Chores hervorbricht.Ein schönes Intro.Ich werde dann in eine Szenerie geworfen, in der ein Vater sein Kind umgebracht hat. Mit Strychnin. Ein stark wirkendes, tödliches Gift. Kindsmord? So klar scheint das nicht zu sein. Nicht die Tatsache des Mordes, sondern ob es sich wirklich um ein Kind handelt. Denn dieses Kind weist affenähnliche Züge auf. Der Doktor ist sich erst unsicher, ob er den Tod dieses Wesens wirklich feststellen soll und kann. Ist es ein Mensch, ist der Vater zu bestrafen, ist es ein Affe, wäre das Ganze ja nicht so…