Kennt ihr den Spruch: «Lerne so, dass deine jüngeren Geschwister es verstehen, wenn du es ihnen erklärst»? Mir hat diese Lernmethode oft geholfen. Ich hatte lange keine Geschwister, also habe ich mir beim Lernen für Prüfungen immer einen jüngeren Menschen vorgestellt, der ungeduldig auf meinem kleinen Sofa sitzt und genau in diesem Moment unbedingt erklärt bekommen möchte, wie das mit der Französischen Revolution lief, warum ein Gegenstand magnetisch ist, oder was Michel Foucault mit seinem Begriff der Gouvernementalität wohl meint. In solchen Momenten ging es nicht darum, dass man sich auf ein niedrigeres Niveau herablässt, um der weniger belesenen Person die Welt zu erklären, sondern dass man sich auf die Frage einlässt: «Worum geht es wirklich?»
Ich bin jetzt in meinem letzten Jahr im Master Theaterregie. Das heisst, in meinen Gedanken bin ich mit einem Fuss noch auf meiner Jugendtheaterbühne, mit dem anderen aber schon in der Theaterberufswelt. Natürlich mit dem Fokus auf die letztere, denn meine Zeit auf Jugendtheaterbühnen liegt ja hinter mir. Dachte ich. Jetzt habe ich mit dieser Kolumne aber die Möglichkeit bekommen euch, die mit vollem Herzen mit einem Jugendtheater verbunden sind, egal ob machend oder schauend, von Dingen rund ums Theaterleben zu erzählen. Tipps, Kniffe, Einsichten, Perspektiven, Wissen, und alles was ich persönlich für wichtig erachte, um euch die Theaterwelt zu erklären. So läuft’s!
Klingt doch gut.
Oder nicht?
Nicht ganz. Dieser Anspruch an diese neue Kolumne würde ein paar wichtige Tatsachen eiskalt ignorieren. Vor allem die, dass ihr meine Kolleginnen und Kollegen seid und wir alle unser aller verehrtes Publikum sind, egal wie jung, etabliert oder professionell wir Theater machen. Ich lade euch daher hiermit herzlich ein, auf meinem kleinen imaginären Sofa einmal im Monat Platz zu nehmen, um gemeinsam die praktischen Tipps, Kniffe, Einsichten, Perspektiven und – sagen wir nicht «Wissen», sondern – Erfahrungen, die ich anbiete, zu hinterfragen und runterzubrechen auf das, worum es am Ende geht und worum es gehen sollte! Lasst uns darüber reden, wie man eigentlich ins Theater geht. Wie Aufnahmeprüfungen laufen. Wie man als ein junges Team ohne Hemmungen eine Theaterproduktion auf die Beine stellen kann. Wie man erste Erfahrungen in einem Theaterbetrieb sammeln kann. Und vor allem, wie all das auch anders aussehen könnte.
Wenn ihr euch jetzt befähigt fühlt, das Theater mitzugestalten sowohl strukturell als auch inhaltlich und künstlerisch, ist das ganz recht. In nur wenigen Monaten hat sich deutlich gezeigt, wie relevant eine einzelne Stimme und Perspektive ist, egal wie jung sie ist. Ich werde versuchen, über Dinge zu schreiben, die für euch nützlich sind, um eure Perspektive auf die Welt auf den Brettern zum Ausdruck zu bringen. Mir hat so eine Anlaufstelle immer gefehlt. Ein Ort im Internet, an dem man nicht nur hilfreiche Informationen bekommt, wie man Theater produziert oder Theaterberufe bestreitet, oder an dem man die eigenen Gedanken anstossen kann, sondern auch an dem man die paar Zeilen lesen kann, die einen in einer zermürbenden Theaterproduktion daran erinnern, dass Theater nicht die Welt ist, auch wenn es das gerne behauptet.
Also hiermit mein erster Scheinwurf. Worum geht es? Mir geht es darum, euch mit ein paar monatlichen Worten zu informieren, inspirieren, motivieren und aktivieren, eure eigene Theaterpraxis auszuprägen. Egal wie alt ihr seid, egal wieviel Erfahrung ihr damit habt, Theater zu machen oder zu sehen, wenn ihr euch für diese Kunstform interessiert und vor allem Spass daran habt, auf diese Art Dinge zu begreifen und auszudrücken, die sonst in Distanz, Zahlen oder Trockenheit zu ungreifbar sind, dann habt ihr das Wichtigste, was es braucht.

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